Manchmal werden Sprichwörter aus Gründen jedweger Bedeutung des Wortes “pathetisch” benutzt: Leidenschaftlich, feierlich, geschwollen, theatralisch. In Zeiten des bösen F-Wortes, wobei Kinder ihren Eltern jetzt die Ohren zuhalten sollten, “Finanzkrise” kommt bei uns der feierliche Gedanke wohl eher an letzter Stelle. Hier mal die Grundstimmung für folgendes pathetisch ausgeprochenes Sprichwort:
Jeder Gesellschaft die Kinder, die es verdient! Jedem Volk die Politiker, die es verdient!
So, jetzt auf Volleyball trimmen und die Stimmung passt :
Jeder Mannschaft das Schiedsgericht, das es verdient! Jedem Team den Gegner, den es verdient!
Ein wirklich schönes und anschauliches Beispiel für dieses allseits beliebte Sprichwort aus dem Munde allseits beliebter Besserwisser:
Das Match der Herren II gegen den VC Reken
Ein Schiedsgericht (wir verallgemeinern an dieser Stelle mal lieber), dass den Unterschied zwischen Netz, Übergetreten, Situations- bzw. Ligaangepasstem Pfeiffen, Aus, Linie und Übergegriffen nicht wirklich verstehen und dementsprechend anwenden möchte.
Eine gegnerische Mannschaft, die sogar unser Team in Sachen Koordination und -operation um Längen schlägt.
Was ist passiert?
Spielverlegung ist ja business as usual. Unser Teil ging so ähnlich wie
A.:” Ey Datteln, Verlegung auf Freitag?”
B. ” Jau, is gut, wir kommen. Aber dafür hätten wir gerne ne kleine Entschädigung.” (was das ist weiss wohl jeder)
A.:” Gut, alles klar, machen wa.”
Um es kurz zu machen : Man fährt bis kurz vor Holland. Spiel läuft ein paar Minütkes, dann :”Halt, Aufstellungsfehler Reken! Ne,..doch… ne. Nein,Moment!..Doch.nein…..” Usw.usf. Gute 10 Minuten,etliche Regelwerkseiten und Diskussionen später hat man sich darauf geeinigt, dass der Fehler (ich sag jetzt mal nicht wie lange der Fehler sich schon vorher durch die Aufstellung zog) bis auf einen Punkt für uns korrigiert wird. Der gefühlte erste Pfiff wegen Übertretens im Spiel überhaupt geht gegen uns, beim Stand von 28:28 (oder sowas). Das reichte einem Mitspieler, der beim Anblick des gerade ablaufenden Spiels am liebsten alle gefressen hätte. Gut, dass wir alle harmlos sind wie Schäfchen. Drei Spritzen Adrenalin mehr in der Mannschaftsblutbahn und es wäre lustig geworden.
Nachdem also die halbe Verschwörung genauso wie die Niederlage perfekt ist, kommt die Krönung. Kein kleines, nettes “Gastgebergeschenk” für uns heute. “Hat der Typ, der das plant nicht gepeilt. Der ist auch nicht da. Also, sorry Jungs!” Ne, ist klar, aber mit dem “Geschenk” direkt vor uns herlaufen und Gas geben. “Nächstes Mal bekommt ihr das, außerdem hat ja alles zu.” Die 5 Min. entfernte Tanke, die ja schon längst dicht hatte, haben wir dann mal aufgesucht und siehe da, der Tankwart war geneigt uns zu beschenken. Somit hat sich das mit dem Versprechen auch schon mal gegessen.
Weinerei? Aber sicher. Wer so agiert, braucht sich nicht beschweren, wenn es mal knüppeldick kommt. Schlimm ist es nur, wenn man nie daraus lernt.Tja, ab sofort schon. Keine Spielereien àla “Ich schwör! Ehrlich!” mehr mit anderen Teams und das Schiedsgericht wird ab sofort auf Herz und Nieren geprüft (denn Teile davon waren wirklich Oscar reif).
Ich will mal wieder nach Holland, da war alles irgendwie einfacher…
